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Günstige Mieten als Markenzeichen
Stadtwerke-Tochter seit 20 Jahren erfolgreich im Wohnungsbau

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr fegte der Sturm große Teile des Dachs vom buntbemalten Block an der Annastraße 60 – 70. Die Wohnungsbaugesellschaft der Stadtwerke Langen, fast auf den Tag genau vor 20 Jahren gegründet, wertet den bis zu 300.000 Euro teuren Schaden an ihrem Objekt aber nicht als schlechtes Omen und in Turbulenzen ist sie auch nie geraten. Ganz im Gegenteil: Die etwa 140 Mietwohnungen sind begehrt und alle belegt. Gleiches gilt für 21 Eigentumswohnungen, die rasch Abnehmer fanden. Etwa zwölf Millionen Euro hat die Stadtwerke-Tochter in den Bau von vergleichsweise preisgünstigen Wohnungen investiert. „Eine stolze Leistung“, bilanziert Bürgermeister Frieder Gebhardt, „die uns sehr geholfen hat.“

Maßgeblich ist das ein Verdienst von Manfred Klein, der seit Beginn an neben dem jeweiligen Stadtwerke-Direktor als Geschäftsführer fungiert. Klein hat bis zu seiner Pensionierung über Jahrzehnte im Rathaus gearbeitet, leitete die Kämmerei und war für die Wohnungsbauförderung zuständig. Mit seinen Erfahrungen war er der richtige Mann für die neue Aufgabe. Dem öffentlichen Anspruch, bezahlbaren Wohnraum für breite Schichten der Langener Bevölkerung zu schaffen, fühlt er sich nach wie vor verpflichtet. „Bei den hohen Mieten, die auf dem freien Markt aufgerufen werden, können wir uns nicht zurücklehnen“, sagt Klein. „Viele Menschen in Langen sind nach wie vor auf öffentlich geförderten Wohnraum angewiesen.“

Vor zwei Jahrzehnten lag der klassische soziale Wohnungsbau zunehmend im Argen. Gleichzeitig wurde es im hochpreisigen Rhein-Main-Gebiet für Einkommensschwächere immer schwieriger, eine Unterkunft zu finden. Die Stadt Langen und ihre Stadtwerke suchten deshalb nach einer alternativen Lösung und gründeten eine eigene Wohnungsbaugesellschaft. Sie erhält von der Stadt, vom Land und vom Bund zinsgünstige Darlehen, durch die die Mieten gedrückt werden können. Gebaut wird immer nach dem neuesten Stand der Energiespartechnik. Dadurch sind die Nebenkosten sehr gering.

In ihrem Jubiläumsjahr blickt die Gesellschaft nicht nur auf ihre Projekte zurück, die allesamt erfolgreich abgeschlossen wurden. Sie firmiert seit kurzem auch unter neuem Namen: Aus der Wohnungsbaugesellschaft Stadtwerke Langen mbH wurde die Stadtwerke Langen Immobilien GmbH (SWL-I). Nach den Worten von Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski gehen damit keinerlei gesellschaftsrechtliche Änderungen einher. Die Umbenennung diene vielmehr einer klareren Zuordnung zur Dachmarke Stadtwerke Langen. „Als Versorger mit Energie jeglicher Art und dem öffentlichen Nahverkehr verstehen wir uns auch auf dem Gebiet des Wohnungsbaus als ein kommunal verankertes Unternehmen, das der Daseinsvorsorge der Bevölkerung verpflichtet ist.“

Als die neue Gesellschaft am 27. September 1991 ins Leben gerufen wurde, hatten die Stadtwerke bereits Erfahrungen im Wohnungsbau gesammelt. Es war ihnen gelungen, an der unteren Bahnstraße einen sozialen Brennpunkt, die sogenannte Stern’sche Liegenschaft, in eine attraktive Anlage mit 23 Mietwohnungen umzuwandeln, die von der SWL-I bewirtschaftet wird. Deren erstes eigenes Vorhaben war der Bau von 43 Wohnungen an der Westendstraße. Davon belegte die Stadt 22 als Sozialwohnungen. 21 wurden unter dem marktüblichen Preis als Eigentumswohnungen verkauft. Vorausgegangen waren zähe Verhandlungen mit der evangelischen Kirchengemeinde. Die Kirche als Grundstückseigentümerin wollte eine möglichst hohe Verkaufssumme einstreichen, um auf der verbleibenden Restfläche ein neues Gemeindezentrum finanzieren zu können. „Beides“, sagt Manfred Klein heute, „hat einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet, dringend benötigten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, aber auch der Kirche zu einer neuen Begegnungsstätte im Langener Nordend zu verhelfen.“

Um ein Schmuckstück reicher gemacht hat die SWL-I in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre die Langener Altstadt. An der Fahrgasse hat sie das große Gebäude mit der Nummer 10 vom Keller bis zum Dach gründlich renoviert. Entstanden sind zehn Mietwohnungen der mittleren Preiskategorie. Leerstehend und mit eingeschlagenen Fensterscheiben bot die Liegenschaft zuvor alles andere als einen schönen Anblick.

Bisher größtes Projekt waren sechzig Wohnungen in dem 2001 vom Land Hessen erworbenen Wohnblock Annastraße 60 – 70. In einem Kraftakt sondergleichen investierte die Gesellschaft in den Kauf und in die Sanierung des einst zum Hessischen Übergangswohnheim gehörenden Gebäudes 6,5 Millionen Euro. Durch die farbig gestaltete Fassade und die an der Außenmauer angebrachten verglasten Fahrstuhlschächte hat die Umgestaltung auch optisch zur Aufwertung des Quartiers beigetragen. Zuletzt hat die SWLI einen weiteren, allerdings kleinerer Block des ehemaligen Wohnheims an der Elisabethenstraße 61 umgebaut. Das Ergebnis sind 25 Ein-, Zwei- und Dreizimmer-Mietwohungen.

Auf den Lorbeeren wollen sich Manfred Klein und Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski nicht ausruhen. Neue Möglichkeiten ergäben sich beispielsweise durch die Überlegungen der Stadt, bestehende Gewerbeflächen für den Wohnungsbau umzuwidmen. Darüber hinaus sei es denkbar, in noch nicht komplett bebauten Wohngebieten tätig zu werden. In allen Fällen werde es darum gehen, bei den Vermietungs- oder Veräußerungspreisen unter dem Marktniveau zu bleiben.




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