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Stadtwerke mit guter Bilanz im heftig umkämpften Energiemarkt

In der aktuellen Debatte um die künftige Energiepolitik kommen die Stadtwerke in Deutschland gut weg. Ihnen gehört nach Meinung vieler Branchenexperten die Zukunft, weil sie für dezentrale Lösungen stehen. Sie sind ein starker Partner für eine umweltfreundliche Energiewende, für eine Energieversorgung, die sicher ist und das Klima schont. Das gilt im Besonderen auch für die Stadtwerke Langen GmbH, die jetzt ihren Geschäftsbericht für 2010 vorgelegt haben. Er beschreibt nicht nur zukunftsweisende Initiativen für den Klimaschutz, sondern zeigt auch, dass der örtliche Energieversorger über eine stabile wirtschaftliche Basis verfügt.

Nach Angaben von Direktor Manfred Pusdrowski haben sich die Langener Stadtwerke im Wettbewerb erfolgreich behauptet. Das Unternehmen habe seinen Auftrag in der kommunalen Daseinsvorsorge erfüllt, solide gewirtschaftet und die betriebswirtschaftlichen Planvorgaben deutlich übertroffen. „Ich bin mit der Geschäftsentwicklung und der Bilanz sehr zufrieden“, betonte Pusdrowski.

Der Stadtwerke-Chef freut sich über einen Gewinn in Höhe von 7,5 Millionen Euro (Vorjahr 8,4 Millionen Euro). Er liegt damit im zweiten Jahr in Folge auf Rekordniveau. Davor hatte der kommunale Energieversorger Überschüsse zwischen drei und vier Millionen Euro pro Jahr erwirtschaftet. Für den Gewinnsprung gesorgt haben laut Pusdrowski nicht nur die Erfolge im Kerngeschäft sowie die Kostensenkungen im Netzbereich und in der Verwaltung, sondern auch Einmaleffekte wie ein neues Bilanzrechtsgesetz und die daraus resultierenden Anpassungen in der Buchhaltung. Diese Sondereinflüsse würden in den nächsten Jahren wegfallen, dann sei wieder mit deutlich niedrigeren Ergebnissen zu rechnen.

Die Langener Stadtwerke haben im vorigen Jahr 1,8 Millionen Euro mehr Umsatzerlöse vereinnahmt als ursprünglich geplant. Insgesamt beläuft sich der Umsatz auf 54,6 Millionen Euro. Vor allem in den extrem kalten Wintermonaten am Jahresende hat das Unternehmen deutlich mehr Erdgas und Wärme abgesetzt als im Wirtschaftsplan prognostiziert. Hinzu kamen Absatzsteigerungen in der dezentralen Wärmeversorgung durch den Anschluss weiterer Objekte wie des neuen Langener DRK-Seniorenzentrums. Wegen der im Jahresdurchschnitt 2010 niedrigeren Gaspreise liegt der Umsatz aber um 2,3 Prozent unter dem von 2009.

Pusdrowski sagte, die Stadtwerke hätten ihren Geschäftsumfang bei einer zwar gestiegenen, aber in Langen und Egelsbach immer noch vergleichsweise geringen Wechselquote weitgehend gehalten. „Das ist natürlich auch ein Beleg dafür, dass sich unsere Strom-, Erdgas,- Wärme- und Wasserpreise sowie der Umfang und die Qualität unserer Serviceangebote im heftig umkämpften Energiemarkt erneut als wettbewerbsfähig erwiesen haben.“

Der Stromabsatz und der Trinkwasserverkauf blieben nahezu konstant. Beim Erdgas gab es einen Zuwachs von fünf Prozent und bei der Wärme sogar um 18 Prozent. Bei den Stadtbussen sowie beim Anruf-Sammel-Taxi und somit beim Verkehrsbetrieb der Stadtwerke ging die Zahl der Fahrgäste leicht um 2,1 Prozent zurück.

Trümpfe des Unternehmens sind Kundenfreundlichkeit, Nachhaltigkeit und technisch innovative Lösungen, wie Pusdrowski hervorhob. 2010 gehörten dazu unter anderem ein neuer Internet-Tarif für Strom und Erdgas – der Primatarif online – sowie die kontinuierliche Sanierung und Modernisierung der Anlagen zur Strom-, Erdgas, Wärme- und Wasserversorgung. Insgesamt haben die Stadtwerke wieder drei Millionen Euro investiert.


Als Eckpfeiler der Geschäftspolitik bezeichnete Pusdrowski den Ausbau des Dienstleistungsangebots mit innovativen Nahwärmekonzepten in Langen und Egelsbach, allen voran die überwiegend mit Holzpellets betriebene Heizzentrale im DRK-Seniorenzentrum. Sie hat eine Leistung, die dem Wärmeverbrauch von 50 Einfamilienhäusern entspricht. „Wir haben auf dem Wärmemarkt richtig Fuß gefasst“, sagte Pusdrowski. „Das zeigt, dass wir mehr können als nur Strom, Gas und Wasser zu liefern. Wir bieten im Wärmemarkt Komplettlösungen an, die von der Planung über die Finanzierung bis zum Betrieb innovativer Anlagen reichen. Das spart den Kunden Geld und Nerven und umweltfreundlich ist es auch noch.“

Neben der Nahwärmeerzeugung verfolgen die Stadtwerke Konzepte, mit denen Energie eingespart beziehungsweise möglichst effizient eingesetzt wird. Zugleich soll der Anteil der regenerativen Energien an der Energieversorgung kontinuierlich gesteigert werden. „Der Atomausstieg und der tiefgreifende Umbau des Energiesystems sind richtig“, erklärte Pusdrowski. „Ob wir als Stadtwerke direkt davon profitieren, ist allerdings eine offene Frage. Zwar wollen wir gemeinsam mit Partnern in die Erzeugung von Ökostrom einsteigen, müssen aber andererseits mit steigenden Preisen auf den Beschaffungsmärkten rechnen, die dann auch auf die Tarife in Langen und Egelsbach durchschlagen werden.“ Die Stromverbraucher würden den Umstieg auf regenerative Energie und den dafür notwendigen Netzausbau letztlich bezahlen müssen. „Dies wird viele Milliarden Euro kosten“, blickte Pusdrowski realistisch in die Zukunft.

Gegenwärtig sei nicht abzusehen, wie sich die Preise der Stadtwerke entwickelten. Die Tendenz zeige jedoch nach oben. „Auch auf Langen und Egelsbach schlagen die internationalen und deutschlandweiten Marktentwicklungen durch. Vermutlich werden Strom und Gas auf absehbare Zeit eher teurer als billiger“, merkte Pusdrowski an.

Auch wenn das Geschäft der Stadtwerke immer komplizierter und der Wettbewerb immer härter werde, bleibe der örtliche Energieversorger auf Kurs. „Wir rechnen mit deutlich niedrigeren Gewinnen, aber immer noch mit schwarzen Zahlen.“ Um dies zu gewährleisten, will Pusdrowski verstärkt mit anderen Stadtwerken kooperieren. „Wir können dabei an Erfolge im Stromeinkauf anknüpfen und wollen nun zusammen mit Nachbarstadtwerken bei der Gasbeschaffung oder der Erzeugung von Windenergie ebenfalls gemeinsame Wege gehen.“ In andere, auf Kooperation und Partnerschaft ausgerichtete Klimaschutzprojekte wie die Bürger-Energiegenossenschaft, das Energienetzwerk Langen und das städtische Klimaschutzkonzept bringen die Stadtwerke ihr Know-how ein und leisten finanzielle Unterstützung.

Auch die Tochtergesellschaften der Stadtwerke – die Wärmeversorgung Langen und die Wohnungsbaugesellschaft - haben im vorigen Jahr hervorragende Zahlen geschrieben. Sie haben Kosten gesenkt und gut gewirtschaftet. „Wir werden uns aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen“, meinte Pusdrowski. „Die Verbesserung der Betriebsprozesse, Effizienz und Kostensenkung bleiben ganz oben auf der Tagesordnung. Nur an Personalabbau denken wir nicht. Ganz im Gegenteil: Der erfolgreiche Ausbau des Wärmegeschäfts wird über kurz oder lang sogar zu Neueinstellungen führen.“



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