Nachrichten Wirtschaft Trotz Krisen und Katastrophen – der Aufschwung geht weiter
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Trotz Krisen und Katastrophen – der Aufschwung geht weiter
Trotz Katstrophen in Japan, Unruhen in der arabischen Welt oder Schuldenkrise in Portugal, trotz steigender Energie- und Rohstoffpreise und globaler Inflationsgefahr: Die Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach marschiert weiter nach oben. Dies ist das Ergebnis der Auswertung der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach am Main bei über 400 Unternehmen in Stadt und Kreis Offenbach.

Der von der IHK berechnete Index für das Konjunkturklima erreichte mit mehr als 138 von 200 möglichen Punkten einen Wert, der seit dem Höhepunkt des Internet-Booms nicht mehr erreicht wurde. Dr. Bernhard Mohr, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer: „Der Wert im Boomjahr 2007 wurde damit deutlich übertroffen.“

Die aktuelle Geschäftslage in den Firmen der Region Offenbach habe sich gegenüber Jahresbeginn nochmals verbessert. Mehr als die Hälfte der Befragten sprächen von guten Geschäften. „Fast 40 Prozent bezeichnen ihre Situation als zufriedenstellend und nur weniger als neun Prozent sind unzufrieden. Wie bereits zu Jahresbeginn gibt es nur in der Gastronomie eine nennenswerte Anzahl negativer Antworten. Besonders zufrieden sind dagegen der Einzelhandel und die Bauwirtschaft“, so der Volkswirt weiter.

Auch die Aussagen über die wirtschaftliche Zukunft ließen weiterhin kaum Raum für Pessimismus. Zwar sei die Anzahl der Firmen, die mit weiter verbesserten Geschäften rechnen, geringfügig auf knapp 39 Prozent zurückgegangen. Dies gelte aber auch für die Anzahl der Pessimisten. Mittlerweile seien es nicht einmal mehr sechs Prozent, die mit schlechteren Geschäften rechnen. Diese Einschätzung der künftigen Geschäftslage ziehe sich mit geringen Abweichungen durch alle Branchen der Offenbacher Region.

Hohe Investitionsneigung

Die Investitionsneigung verharre auf hohem Niveau. Nur knapp zehn Prozent der Firmen wollten ihre Investitionsausgaben senken. Zwei Drittel planten Steigerungen. Auch hier zögen sich diese Aussagen mit geringen Abweichungen durch alle Branchen. Alleine das Gastgewerbe bilde hier die Ausnahme. Jeweils 50 Prozent wollten die Ausgaben erhöhen und senken. Dies weise auf eine höchst unterschiedliche Konjunktur in den einzelnen Firmen hin.

Exporte steigen weiter

Das Auslandgeschäft werde weiter steigen. Dies sagten fast 40 Prozent der exportierenden heimischen Firmen. „Nicht einmal fünf Prozent rechnen mit Rückgängen. Gegenüber den Ergebnissen zu Jahresbeginn bedeutet dies nicht nur eine absolute Steigerung der Exporte, sondern auch eine Steigerung der Wachstumsrate. Das Wachstum wird aber ausschließlich vom Antwortverhalten der Industrie bestimmt. Das Dienstleistungsgewerbe rechnet mit stagnierenden Exporten“, erläutert Mohr.

Firmen suchen verstärkt Mitarbeiter

Nach wie vor hoch sei die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Wirtschaft der Region. Mehr als 26 Prozent der Firmen suchten zusätzliche Mitarbeiter. Mohr: „Beschäftigung abbauen wollen nur etwas mehr als neun Prozent. In keinem Wirtschaftszweig muss per Saldo mit Beschäftigungsabbau gerechnet werden. Besonders hoch ist die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften in der Investitionsgüterindustrie, im Gastgewerbe und bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen.“

Industrie weitgehend stabil

Der Klimaindex für die Konjunktur liege in der Industrie weiter unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Er sei sogar gegenüber dem Jahresbeginn geringfügig zurückgegangen. „Trotzdem – die aktuelle Geschäftslage ist weitgehend befriedigend bis gut. Dies sagen fast 87 Prozent der Firmen. Für die Zukunft erwarten 95 Prozent gleichbleibende oder bessere Geschäfte. Getragen wird der Aufschwung weiterhin durch Auslandsgeschäfte und die verbesserte Investitionsneigung in der Wirtschaft“, so Mohr weiter.

Weiterhin sehr zufrieden sei das Baugewerbe. 71 Prozent gäben der Konjunktur die Note „gut“. Klagen gäbe es keine. Bei der Beurteilung der Zukunft habe jedoch der Optimismus etwas abgenommen. Die große Mehrheit glaube zwar, dass es wie bisher weiter geht, rund 15 Prozent seien aber skeptisch.

Einzelhandel schlägt alle Rekorde

„Der Einzelhandel schlägt alle Rekorde. Mit einem Klimaindex von 162 Punkten ist er mit Abstand konjunktureller Spitzenreiter, eine Rolle, die bei dieser Branche Seltenheitswert hat. Schon zu Jahresbeginn war die Stimmung im Einzelhandel hervorragend. Dies konnte leicht mit einem guten Weihnachtsgeschäft erklärt werden. Die guten Geschäfte gingen aber nicht nur weiter, sie verbesserten sich sogar nochmals. Dazu ist der Einzelhandel davon überzeugt, dass dieses Hoch weiter anhält. Jeder Zweite rechnet mir Verbesserung. Mit Rückgängen rechnet niemand“, erklärt Mohr erfreut.

Großhandel unverändert gut

Weiterhin auf hohem Niveau präsentiere sich der Großhandel der Region. Fast 55 Prozent gäben der aktuellen konjunkturellen Lage die Note „gut“. Nur jedes zwanzigste Unternehmen sei unzufrieden. Auch die Zukunftsaussichten der Branche seien sehr positiv. Zwar sei der Saldo zwischen Optimisten und Pessimisten etwas gesunken, trotzdem rechneten rund 97 Prozent mit besseren oder gleich guten Geschäften.

Dienstleistung in guter Verfassung

Die Konjunktur im Dienstleistungssektor bleibe weiterhin überdurchschnittlich gut. Über 90 Prozent der Unternehmen seien mit der derzeitigen Situation zumindest zufrieden und blickten optimistisch in die Zukunft. Nur im Gastgewerbe klage jeder vierte Betrieb über schlechte Geschäfte, sei aber für die Zukunft relativ optimistisch. Konjunktureller Spitzenreiter der Branche seien die unternehmensbezogenen Dienstleister sowie das Kredit- und Versicherungsgewerbe.

Dr. Mohr kommentiert die Ergebnisse so: „Zum zweiten Mal in Folge präsentiert sich die Konjunktur im IHK-Bezirk in nahezu blendender Verfassung. Auch für die Zukunft sehen die Firmen nur wenige Wolken. Diese Einschätzungen scheinen sich nicht nur auf die Region Offenbach zu beschränken. Zumindest bei der letzten Umfrage zum Jahresbeginn bestätigten sich die Offenbacher Ergebnisse in nahezu allen anderen Regionen Deutschlands.

Insbesondere der Optimismus für die Zukunft mag vielleicht überraschen. Die weltweiten Turbulenzen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vor den Toren Deutschlands oder der Region Offenbach halt machen. Woher nehmen die Firmen dann den Optimismus?

Vielleicht ist es tatsächlich so, dass die deutsche Wirtschaft aus der Finanzkrise gestärkt herausgekommen ist. Vielleicht sind die Rahmenbedingungen besser, ist die Wettbewerbsfähigkeit höher geworden. Vielleicht erklärt sich daraus das Selbstbewusstsein der Firmen. Zu wünschen wäre es.“



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