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Einzigartiges Modell der überbetrieblichen Berufsausbildung
Rede von Bürgermeister Frieder Gebhardt zum 25-jährigen Bestehen der Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH am 26. Mai 2011 in der Neuen Stadthalle

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Jubiläen sind immer ein Grund zur Freude, auch wenn Sie naturgemäß mit dem Älterwerden zu tun haben. Älter und richtig erwachsen geworden ist auch die Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH, deren 25. Geburtstag wir heute feiern. Als unter dem damaligen Namen „Pittler Lehrwerkstätten GmbH“ im März 1986 in Langen ein Ausbildungsbetrieb gegründet wurde, war das ein gesundes und properes Kind. Doch wie im richtigen Leben verliefen Kindheit und Jugend unseres Geburtstagskindes nicht ganz sorgenfrei. Eine lebensbedrohliche Situation konnte abgewehrt werden und heute strahlt unsere Jubilarin vor Tatkraft und mit einem Bündel von Erfolgsbilanzen.

Doch bevor ich darauf eingehe, lassen Sie mich zunächst einen Blick auf die Entstehungsgeschichte werfen: 1949 begann an der gleichnamigen Straße in Langen der Neuaufbau der Pittler Maschinenfabrik, die bis in die achtziger und neunziger Jahre hinein einer der bedeutendsten Arbeitgeber und ein Aushängeschild für unsere Stadt war.

Pittler, das war ein wohlklingender Name, der zu Recht auch heute noch für die Ausbildung „Made in Langen“ bürgt. Hinter diesem Namen steht mit Wilhelm von Pittler ein großartiger Erfinder und Unternehmer, ein Pionier im besten Sinne des Wortes. 1889 gründete er in Wahren bei Leipzig eine Fabrik für Drehmaschinen. Seine bedeutendste Erfindung war der Trommelrevolverkopf, der mehrere Werkzeuge gleichzeitig aufnehmen kann und dadurch Arbeitsprozesse erheblich erleichtert. Er findet bis heute im Maschinenbau Anwendung. Fast wie am Fließband sackte Wilhelm von Pittler in- und ausländische Patente ein, mehr als 200 waren es am Ende. Darunter für Näh- und Stickmaschinen, für eher skurrile Dinge wie die Zigarette ohne Papier, aber auch für das erste Automatikgetriebe für Autos, dem im Übrigen zu jener Zeit außer von Pittler selbst kaum jemand eine Zukunft prognostizierte.

Nach Langen kam das Unternehmen Pittler als Folge des Zweiten Weltkriegs. Der Erfindergeist wehte weiterhin durch die neu gebauten Hallen. Pittler legte aber nicht nur auf Innovation Wert, sondern in besonderem Maße auch auf die Nachwuchsförderung. Aus dieser Philosophie heraus entstand gemeinsam mit anderen Partnern – darunter die Stadt Langen – die heutige Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH.

Bürgermeister Frieder Gebhardt würdigte die Bedeutung der Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH für die Stadt Langen und die Region. Fotos: Sorger/Stadt Langen
Unter dem langjährigen Geschäftsführer Rolf Schäfer genauso wie unter seinem Nachfolger Thomas Keil lag und liegt ein Schwerpunkt auf der Ausbildung von jungen Menschen, die wegen ihrer Schulbildung oder ihres sozialen Umfelds auf dem sogenannten freien Markt wenig Chancen gehabt hätten. Der PBA gelingt es dank einer soliden und praxisgerechten Ausbildung, ihnen gute Zukunftsperspektiven zu bieten. Sie werden Industriemechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Elektroniker, Mechatroniker oder auch Industriekaufleute – und das häufig mit sehr guten Abschlüssen. Ja - sie werden zu den Besten ihrer Innung und auch einen Hessensieger im Berufsfeld Elektroniker für Betriebstechnik hat es schon gegeben. Kein Wunder, dass nahezu alle Azubis nach ihrer Ausbildung in den PBA-Partnerbetrieben oder anderswo eine Beschäftigung finden.

Die Hiobsbotschaft kam Anfang des Jahres 1997 und hätte um ein Haar das Ende für den Ausbildungsbetrieb bedeutet, denn die Pittler-Muttergesellschaft war in Konkurs geraten. Manche von Ihnen werden sich noch an diesen Schock erinnern. Es ist maßgeblich meinem Amtsvorgänger Dieter Pitthan und seinem damaligen Wirtschaftsförderer Manfred Klein zu verdanken, dass damals alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden, um die Ausbildungsplätze zu retten und mit ihm ein einzigartiges Modell der überbetrieblichen Berufsausbildung und der Erwachsenenschulung in Verbindung mit Dienstleistung und Fertigung.

Heute wissen wir, dass der von der Stadt Langen ausgeworfene Rettungsanker binnen kürzester Zeit auf fruchtbaren Boden gefallen ist und Vertrauen geschaffen hat. Mit Unterstützung regionaler Firmen, Kommunen und Stadtwerken, des Kreises Offenbach, des Landes Hessen und der Bundesagentur für Arbeit gelang es, den Ausbildungsbetrieb am Leben zu erhalten und in der Folgezeit Hunderten von jungen Leuten eine Perspektive zu bieten. Atemberaubend war, dass es damals innerhalb von nur zwei Wochen möglich wurde, sämtliche Beschlussgremien vom Erwerb der PBA durch die Stadt Langen zu überzeugen. Größtes Hindernis für den späteren Kauf des Grundstücks waren im Übrigen die Verwertungsabsichten der Gläubigerbanken, die das Pittler-Gelände bestmöglich vermarkten wollten. Dem „big business“ setzte die Stadt Langen jedoch mit ihrer Planungshoheit zugunsten des Ausbildungsbetriebs erfolgreich die Möglichkeiten einer „small city“ entgegen.

Die Stadt Langen hat damals und auch danach als zunächst alleiniger Gesellschafter der PBA eine Aufgabe übernommen, die in keinem kommunalen Pflichtenheft steht. Die Verantwortlichen sahen es aber dennoch als ihre Pflicht an, für den Erhalt von Ausbildungsplätzen für junge Menschen zu kämpfen. Wer hätte denn auch ansonsten die Verantwortung übernommen?

Heute – beim 25-jährigen Bestehen der PBA – muss abermals jenen gedankt werden, die seinerzeit zugunsten der Berufsausbildung GmbH Weitsicht, Größe und Mut zeigten. Nach wie vor ist der Ausbildungsbetrieb eine kommunal geprägte Einrichtung mit dem Mehrheitseigentümer Stadt Langen. Wir haben außer dem symbolischen Kaufpreis von einer D-Mark für die GmbH – aber ohne das Grundstück – weiteres Geld und personelle Ressourcen investiert und tragen die Kosten für derzeit 15 Ausbildungsplätze.

Neben einer Reihe weiterer Partner, die in der PBA ausbilden lassen oder Plätze durch Patenschaften finanzieren, haben wir in der Stiftung ProRegion einen starken Mitstreiter mit gleicher Zielsetzung gefunden, nämlich der Förderung der beruflichen Bildung in der Region Rhein-Main. Dank des Einstiegs der Flughafenstiftung in unsere GmbH und ihrer finanziellen Mitgift konnte ein neues Ausbildungszentrum gebaut und 2006 eingeweiht werden. Und erweitert worden ist es inzwischen auch schon, das zeigt wie gut der Laden floriert. Dass der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport schon seit jeher die Ausbildung bei der PBA schätzt und rege davon Gebrauch macht, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Die Zentralisierung an einem Standort ist ja nicht nur für kleinere Unternehmen von Interesse, die kein eigenes Ausbildungspersonal bereitstellen können, sondern auch für größere Betriebe. Denn in allen Fällen ist bei der PBA eine Ausbildung auf hohem Niveau und mit einer hervorragenden technischen Ausstattung gewährleistetet. Als Besonderheit kommt hinzu, dass die Aus- und Weiterbildung ständig mit praxistauglicher Fertigung kombiniert wird. Die Erlöse daraus fließen komplett zurück in die Ausbildung.

Die PBA entwickelt heute Mountainbikes mit Elektroantrieb, baut Trolleys für die Bordverpflegung von Flugzeugen, kreiert Aufzüge und unterhält ein Service-Center für Gartengeräte. Für die Stadt Langen ist sie ebenfalls tätig. Zuletzt entstand in den Hallen an der Amperestraße eine Metallstele, die unserer türkischen Partnerstadt Tarsus gewidmet ist und seit kurzem die gleichnamige Anlage am Stresemannring ziert.

Meine Damen und Herren: Wir verfügen in Langen mit der PBA über ein bundesweit einzigartiges Modell und eines der größten und modernsten Ausbildungszentren in der Region. 25 Jahre PBA stehen für einen Riesenerfolg in der überbetrieblichen Berufsausbildung. Aktuell werden mehr als 200 junge Menschen ausgebildet; die Nachfrage ist ungleich größer. Wir hatten für das neue Ausbildungsjahr 700 Bewerbungen. Das sehe ich zum einen als Beweis dafür, dass qualifizierte Ausbildungsplätze im industriellen Bereich fehlen, zum anderen aber auch als Indiz, dass junge Menschen nicht irgendeine, sondern eine best qualifizierte Ausbildung suchen.

Ausbildung „Made in Langen“ ist dank der PBA zu einem Begriff geworden. Ich denke, nicht zuletzt deshalb, weil auch Tugenden wie Pünktlichkeit, Sauberkeit am Arbeitsplatz und Zuverlässigkeit vermittelt werden. Seit etwa einem halben Jahr kann das „Made in Langen“ um ein „Made in Darmstadt“ ergänzt werden. Denn dort hat die PBA ihren Wirkungskreis um die Ausbildung im Schenck Technologie- und Industriepark erweitert und setzt mit dem bewährten Konzept abermals Zeichen. Die Parallele ist, dass diese Ausbildungswerkstatt wie einst in Langen vor der Schließung stand.

Ich danke allen Kooperationspartnern, die bei der PBA ausbilden lassen oder die Ausbildung durch Übernahme von Patenschaften finanzieren. Ich danke unserem Partner Pro-Region, ohne den wir heute viel kleinere Brötchen backen müssten, und ich danke den Ausbildern, die motiviert und kenntnisreich Wissen und Fertigkeiten vermitteln. Mein Dank gilt schließlich Herrn Geschäftsführer Thomes Keil für sein glückliches Händchen bei der Leitung der PBA und mein ganz besonderer Dank geht an seinen Vorgänger, Herrn Rolf Schäfer, der zu Beginn und in unruhigem Fahrwasser das Steuer sicher in der Hand hielt.

Mit ihren Angeboten hat die Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH eine hohe gesellschaftspolitische Verantwortung übernommen, der sie vollumfänglich gerecht wird. Eine solide Aus- und Weiterbildung, Wissen und Verstehen, das sind die besten Schuhe für den Marsch in die Zukunft. Ich gratuliere der Pittler ProRegion Berufsausbildung zu ihrem 25-jährigen Bestehen und bin sicher, dass sie auch weiterhin zum Segen unserer Region tätig sein wird.

Haben Sie Dank für Ihre Aufmerksamkeit!




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