| Läden, Arztpraxen und barrierefrei Wohnen |
Der Langener Magistrat möchte dem Einkaufszentrum Oberlinden neues Leben einhauchen. Nach den Worten von Erstem Stadtrat Klaus-Dieter Schneider soll dafür der Bebauungsplan geändert werden. Basis hierfür sei ein Konzept der beiden Gebäudeeigentümer. Es sieht die Aufstockung der ein- und zweigeschossigen Randbebauung im Norden und Westen auf drei Geschosse mit Staffelgeschoss vor. Dadurch könnten 26 neue Wohnungen (derzeit gibt es fünf) entstehen. 16 davon wären barrierefrei. In die leere Markthalle würden mehrere kleine Läden und ein Café Einzug halten. Der Innenhof, den die Stadt an die Eigentümer verkaufen will, bliebe weiterhin öffentlich zugänglich.
Seit der letzte Supermarkt Mitte 2010 geschlossen hat, geht es mit dem Einkaufszentrum immer weiter bergab. Die überdachten Verbindungswege und der Innenhof müssten saniert werden. Dafür fehlt der Stadt aber auf absehbare Zeit das Geld. „Es besteht deshalb dringender Handlungsbedarf“, betonte Schneider.
Das Einkaufszentrum entstand in den 1960er Jahren, als die meisten Wohnungen in der Modellsiedlung Oberlinden bezogen waren. Seine Blütezeit hat es längst hinter sich. Es gibt nur noch einen Optiker, eine Sparkassen-Zweigstelle, einen Kiosk und am Rande eine Kneipe. Für einen Supermarkt nach heutigen Anforderungen ist die Markthalle zu klein. Außerdem fehlt es an Parkplätzen. Dennoch sind Einkaufsmöglichkeiten vor Ort gerade für den hohen Anteil an älteren Bewohnern – etwa ein Viertel der Oberlindener sind über 65 – von hohem Wert. „Durch das Konzept der Eigentümer könnte zumindest eine Grundversorgung sichergestellt werden“, erklärte Schneider.Auch der Bau von barrierefreien Wohnungen sei wegen der vielen älteren Menschen ein Gewinn für den Stadtteil, der mit seinen Grünflächen und seinen Wegen ohne Autoverkehr nach wie vor über eine hohe Wohnqualität verfüge. Schneider berichtete zudem von Gesprächen mit Vertretern zweier Arztpraxen, deren Räume momentan in Oberlinden im ersten Stock in einem Haus ohne Aufzug unterbracht sind. Sie bekundeten starkes Interesse an einem Umzug in die Markthalle, wo die Praxen ohne Treppenstufen erreichbar wären.
Während der Magistrat das Konzept der Eigentümer für schlüssig und praktisch alternativlos zur Aufwertung des Einkaufszentrums hält, befürchten Anwohner Beeinträchtigungen durch die höheren Gebäude. Sie haben Angst vor einer Verschattung ihrer Reihenhäuser und Gärten. Außerdem werde es noch schwerer, Parkplätze zu finden, die jetzt schon knapp seien. In Gesprächen mit der Stadt äußerten Anwohner die Sorge, dass ihre Immobilien an Wert verlieren könnten. Schneider machte hingegen eine ganz andere Rechnung auf: „Wenn nicht ins Einkaufszentrum investiert wird und es zunehmend zur Verwahrlosung kommt, wird sich das sehr negativ auf die Nachbarschaft auswirken.“ Umgekehrt – das habe ein neutrales Gutachten ergeben – würden die positiven Einflüsse überwiegen. Durch die Revitalisierung des Einkaufszentrums würden die angrenzenden Reihenhausgrundstücke an Wert gewinnen.
Fakt sei zudem, dass zurzeit auf Stellplätzen der Eigentümer auch benachbarte Anwohner parkten. Dies könne kein Grund sein, den Eigentümern eine Erweiterung ihrer Immobilien und die eigene Nutzung ihrer Grundstücke für Stellplätze zu untersagen. Die notwendige Anzahl nach den Bestimmungen der städtischen Stellplatzsatzung müssten sie für ihr Bauvorhaben selbstverständlich nachweisen.
Mit der vorgesehenen Bebauungsplanänderung befasst sich der Ausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr am 29. Februar, 20 Uhr, im Stadtverordnetensitzungssaal des Rathauses. Die Beschlussfassung ist für den 22. März (gleiche Stelle, gleiche Uhrzeit) geplant.
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